Die flüchtige Natur des Glaubens und das Streben nach Humanität
Pfarrer Rainer Maria Schießler argumentiert, dass Humanität nicht angeboren ist und der individuelle Glaube oft flüchtig bleibt. Ein Blick auf diese provokanten Thesen.
Was denkst du, wenn man dir sagt, dass Humanität nicht angeboren ist? Die meisten Menschen glauben, dass der Mensch von Natur aus gut ist, dass Empathie und Mitgefühl in uns drinstecken. Aber was, wenn das nicht stimmt? Was, wenn wir nicht von Natur aus human sind, sondern es uns erst anlernen müssen?
Pfarrer Rainer Maria Schießler hat genau diese Ansicht und stellt in seinen Aussagen zur Humanität und zum Glauben provokante Thesen auf. Sie laden zum Nachdenken ein und werfen die Frage auf: Ist unser Glaube tatsächlich so beständig, wie wir oft annehmen?
Die flüchtige Natur des Glaubens
Du hast sicher schon gehört, dass der Glaube ein fester Anker im Leben vieler Menschen ist. Doch Schießler beleuchtet die Kehrseite. Er sagt, der individuelle Glaube ist häufig flüchtig. Stell dir vor, du bist ein Kind, das in einer religiösen Familie aufwächst. Du könntest das Gefühl haben, dein Glaube sei gegeben und beständig. Aber was passiert, wenn du ins Erwachsenenleben trittst?
Die Realität sieht oft anders aus. Viele Menschen ziehen es vor, ihren Glauben zu hinterfragen oder ganz abzulehnen, wenn sie mit Widrigkeiten oder Herausforderungen konfrontiert werden. Wir leben in einer Zeit, in der Informationen schnelllebig sind. Der individuelle Glaube wird oft zur persönlichen Verpackung, die mal mehr, mal weniger Gewicht hat. Wo ist das Fundament, wenn der Glaube nicht einmal mehr im Stande ist, uns durch kritische Phasen zu tragen?
Hier spricht Schießler einen wichtigen Punkt an: Unser Glaubensfundament ist oft nicht so stabil wie wir denken. Das führt zu der Frage, ob wir unsere Vorstellungen von Humanität und Glauben tatsächlich selbst gestalten oder ob wir uns nur auf äußere Einflüsse verlassen, um diese Konzepte zu formen.
Es ist einfach, die Schuld für den Verlust des Glaubens auf die Gesellschaft zu schieben – auf die ständige Erreichbarkeit durch digitale Medien, auf den Einfluss von Wissenschaft oder auf die wachsende Skepsis gegenüber Institutionen. Aber denkt mal daran: Wenn der Glauben nicht aus uns selbst heraus wächst, wird er im Zweifel auch nicht lange halten.
Humanität ist ein erlerntes Verhalten
Schießler betont auch, dass Humanität nicht angeboren ist. Du könntest denken, dass Menschen von Natur aus freundlich und hilfsbereit sind. Aber die Wahrheit ist komplizierter. Humanität ist etwas, das wir lernen und kultivieren müssen. Es ist nicht automatisch in uns drin.
Warum ist das wichtig? Nun, so können wir auch verstehen, warum es in unserer Gesellschaft oft an Mitgefühl mangelt. Wenn wir also nicht von Anfang an mit einem Sinn für Humanität ausgestattet sind, müssen wir diese Werte aktiv fördern. Das bedeutet, dass die Verantwortung bei uns liegt, wie wir unsere Kinder und uns selbst in menschlichem Verhalten erziehen.
Denk darüber nach: Was haben wir in der Schule über Mitgefühl und Nächstenliebe gelernt? Oft stehen Mathe und Naturwissenschaften im Vordergrund. Die wichtigen Lektionen über Empathie und Verständnis bleiben auf der Strecke. Schießler fordert uns dazu auf, diesen Mangel zu erkennen und aktiv gegen anzukämpfen.
Das bedeutet nicht, dass wir die Gesellschaft allein verändern können. Aber wir können anfangen, unser eigenes Verhalten zu reflektieren und bewusst Humanität zu praktizieren. Wenn wir bei uns selbst anfangen, wird das auch andere inspirieren.
Ein Appell zur Reflexion
Schießlers Thesen bergen eine gewisse Tragik. Sie erinnern uns daran, dass wir alle Verantwortung tragen, nicht nur für unseren eigenen Glauben, sondern auch für das, was wir als menschlich empfinden. Wir müssen uns fragen: Was tue ich, um meinen Glauben und mein Mitgefühl zu stärken? Kümmere ich mich um die Menschen um mich herum oder bin ich zu sehr mit meinem eigenen Leben beschäftigt?
Er spricht damit ein gesellschaftliches Phänomen an, das wir nicht ignorieren können. Die digitale Welt hat uns zwar viel gebracht, aber auch zu einer Entfremdung geführt. Soziale Medien können uns verbinden, aber sie können uns auch in isolierte Inseln des Individuums verwandeln. Wir teilen Momente aus unserem Leben, aber oft bleibt das Menschliche auf der Strecke.
Ein Glaube oder eine Humanität, die flüchtig ist, wird niemals den Raum einnehmen, den wir uns wünschen. Wir müssen aktiv daran arbeiten, sie in unserem Leben und in der Gesellschaft zu verankern. Vielleicht ist das die entscheidende Erkenntnis aus Schießlers Überzeugungen: Die Verantwortung für unsere eigenen Werte und Überzeugungen liegt in unseren Händen.
Also, was ist dein Standpunkt? Glaubst du, dass Humanität und Glaube von Natur aus in uns sind oder dass wir diese Konzepte aktiv prägen müssen? Das ist eine Diskussion, die wir alle führen sollten – für uns selbst und für die Gesellschaft, in der wir leben.
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